Die Vorstellung selber oder einen lieben Bekannten in Uganda im Gefängnis zu sehen, lässt mich ziemlich erschaudern. Dabei fallen mir zuerst Zustände ein wie: Überfüllung der Zellen, oftmals jahrelanges Warten auf die Verhandlung, schlechte Ernähung und katastrophale hygienische Bedingungen.

Gefängnistanzgruppe

Gefängnistanzgruppe bei ihrem monatlichen Auftritt für alle rund 700 Insassen

Was ich soeben im Artikel der AGEH Zeitschrift Contact von Sybille Mani, einer ZFD-Fachkraft in Lira, gelesen habe, übertrifft meine Befürchtungen noch. „Schlafen in Schichten“, da das Gefängnis hoffnungslos überfüllt ist, eine Wartezeit auf das Gerichtsverfahren von 3 – 4 Jahren und schließlich ein Aufstand.

Der Zivile Friedensdienst engagiert sich in Uganda, auch im Zentralgefängnis in Lira. Dort wird die Justice und Peace Commission der Lira Diözese (JPC) unterstützt. Seit 2012 gibt es ein Theater- und Breakdanceprojekt.Wöchentlich wird geprobt, einmal im Monat gibt es im Gefängnis einen Auftritt.

Theater ist ein ideales Medium in den ländlichen Regionen Ugandas Themen zu bearbeiten, die ansonsten unausgeprochen blieben. Dies kann von AIDS über Hygiene bis zu Gewalt gehen. Ausserdem bauen die Spieler Selbstvertrauen auf. Neben dem Unterhaltungswert sowohl im Gefängnis als auch in ländlichen Regionen, wo kaum jemand Zugang zu Fernsehen, Kino o.ä. hat, bietet ein Laientheater vielfältige Möglichkeiten langfristig Verhaltensänderung zu erzielen.

Doch eine Quintessenz resultierte für die Organisatioren aus dem Theaterprojekt im Gefängnis in Lira: Wenn Betroffene über ihre Rechte informiert werden, aber die bestehende Struktur deren Einforderung nicht ermöglicht, kann es zum Knall kommen. Deshalb ist es für Organisationen wie den der Justice and Peace Commission unabdingbar, sich auch den strukturellen Ungerechtigkeiten zu widmen.

 

 

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