Kein normaler Sonntag! Ende der Fussball-WM 2010. Auch in Kampala
verfolgen Tausende in Clubs oder Restaurants das Endspiel zwischen
Spanien und Niederlande.

Da detonieren drei Bomben in Kampala! Zwei in einem Rugby-Club, eine
in einem äthiopischen Restaurant. 74 unschuldige, oft sehr junge
Menschen sterben, über 80 werden zum Teil schwer verletzt. Eine Stadt,
das ganze Land ist entsetzt, im Aufruhr.

Al Shabaab, eine somalische Terroristenorganisation mit Verbindung zu
Al Quaida, übernimmt die „Verantwortung“. Sie sagen: Vergeltung für die
militärische Unterstützung der somalischen, schwachen
Übergangsregierung durch Uganda. Mit beteiligt, die ADF (Allied
Democratic Forces), eine radikale Gruppierung in Uganda, die den Sturz
der Regierung Museveni herbeiführen möchte. Sie agieren im Untergrund,
man dachte, die Gruppe hätte sich aufgelöst, da sie in den letzten
Jahren nicht mehr öffentlich in Erscheinung trat.

Ich erfahre die Nachricht am späten Sonntagabend im Flugzeug von
Frankfurt nach Entebbe. Schreck fährt mir in die Glieder. Ich habe
Freunde, die „in Kampala leben und die ich u.a. besuchen möchte.
Hoffentlich ist ihnen nichts zugestoßen. Gott sei Dank, sie leben, holen
mich am Montag Nachmittag vom Flughafen in Entebbe ab.

In der Woche nach dem Attentat bin ich jeden Tag von morgens bis abends in Kampala, Vorbereitungen für die Reisegruppe von SALEM INTERNATIONAL und TUKOLERE WAMU
treffen, die Anfang August nach Uganda kommen wird. Sehenswürdigkeiten,
Programme des Nationaltheaters, Restaurants auskundschaften,
Besorgungen machen.

Ich wohne bei den Freunden in Mukono/Seta, ca 18 km östlich von
Kampala. Dort sind wir sicher. Jeden Morgen fahren wir mit dem „Matatu“,
einem Sammeltaxi für 12 bis 16 Personen nach Kampala hinein. Der
Verkehr ist dicht wie immer, Stau auf den Einfallsstraßen, auch
verstärkte Polizeikontrollen.

Das Leben in der Stadt geht seinen gewohnten Gang. Die Schlagzeilen
der Zeitungen berichten zwar jeden Tag in dicken Lettern Neues zu dem
Attentat. Aber die Leute selbst sind unaufgeregt, gehen ihren gewohnten
Tätigkeiten nach. Keine Spur von Angst. Nur, Polizei ist verstärkt
präsent. Vor jedem öffentlichen Gebäude: ein, zwei Polizisten mit
Gewehr.

Die Einfahrten zu diesen Gebäuden werden streng kontrolliert. Der
Innenraum in Augenschein genommen, manchmal sogar mit Metalldedektoren
überprüft. Die Unterseite der Autos wird mit großen Spiegeln auf
verdächtige Objekte untersucht. Auch die Eingangsbereiche von Schulen,
Krankenhäusern, Markthallen etc. werden auf gleiche Weise kontrolliert.

Ich meide – zum eigenen Schutz – für einige Tage
Menschenansammlungen, gehe in keine Markthalle oder dergleichen und
abends gehen wir auch nicht in einen der vielen Clubs oder eine Bar. In
den Zeitungen lese ich, dass der Besuch dort stark nachgelassen hat.

Am Ende der Woche normalisiert sich das Leben wieder weitgehend. Die
Kontrollen finden zwar immer noch verstärkt statt, in den Zeitungen sind
viel Berichte über die Untersuchungen und von Augenzeugen oder
Hinterbliebenen zu lesen, aber sonst: Alles geht seinen normalen Gang.

Siggi Kunz, Salem/Uganda im Juli 2010

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