Kampala Road zur Rush-Hour

Kampala-die Hauptstadt Ugandas. Etwa 1,3 Millionen Einwohner, zählt man die Slum-Gebiete rund um die Stadt dazu. Regierungssitz, Parlamentsgebäude, Banken Versicherungen, Geschäfte. Ein Heer von Beamten, Angestellten und Arbeitern geht dort jeden Tag seinem Job nach. Sie wohnen in der Stadt, in Außenbezirken, im Umland. Es gibt keinen öffentlichen Nahverkehr, nur Minibusse (Taxi oder Matatu genannt) mit 14 Sitzplätzen, auf denen sich aber nicht selten bis zu 18 Personen plus Schaffner drängen. Und dann die Boda-bodas (Motorrad-Taxis). Das „schnellste“ Verkehrsmittel in der Stadt, weil sie sich lärmend und drängend zwischen den Autos hindurchschlängeln. Oft nur wenige Zentimeter Abstand zu den Blechkarossen. Die wenigsten Fahrer tragen einen Helm – bei 28° leicht zu verstehen, oder weil sie sich keinen leisten können. Oft sitzen zwei Personen hinter dem Fahrer auf der Sitzbank und eine Frau hält noch ein Kleinkind, oder vorne auf dem Tank liegt ein Koffer oder eine Reisetasche.

Ich bin verabredet, um fünf Uhr nachmittags am Post-Office, doch 20 Minuten vor der Zeit der Anruf: „Ich stecke im Verkehr fest, es wird später werden.“ Noch eine Runde laufen will ich nicht, war schon drei Stunden zu Fuß in der Stadt unterwegs. Nochmal einen Kaffee – auch nicht. Also warte ich am überdachten Aufgang zur Post und beobachte die Kampala-Road, eine der Hauptstraßen Kampalas. Es ist Rush-Hour, also Dienstschluss für viele öffentliche Angestellte, Beamte etc. Hinter mir der Eingang zur Post, davor ein Soldat mit Gewehr. Wie vor allen öffentlichen Gebäuden, Banken, Supermärkten, Versicherungsbüros, Reisebüros und vielen anderen Einrichtungen. Entweder ein Soldat, ein Polizist oder ein Wachmann von einer privaten Sicherungsgesellschaft, alle bewaffnet. Daran musste ich mich erst mal gewöhnen, aber nun bin ich das achte Mal in Uganda und es ist für mich schon zur Normalität geworden. Ebenso wie die Mauern und Zäune um viele private Häuser oder Wohnungsanlagen. Was mir auffällt: Die Menschen hasten nicht vom Dienst nach Hause, sondern gehen ihren gewohnten langsamen Schritt – für uns Europäer fast provozierend langsam! Die meisten sind westlich gekleidet, bis auf einige ältere Frauen, die ihre traditionellen bunten Gewänder anhaben. Auf dem Bürgersteig sitzen Straßenverkäuferinnen und bieten Zeitungen, Airtime (Telefon-Auflade Karten für Handys), Obst und Gemüse, Erdnüsse, Bonbons, Kaugummis, Plastikspielzeug und sonstigen Krims-Krams an. Dazwischen ein paar Männer mit Uhren, Gürteln, Handys, Stoff- und Haushaltswaren. Der Verkehr drängt sich in beide Richtungen zwei- bis dreispurig, mit Motorlärm, Gestank und Gehupe, manchmal wird auch die Gegenspur genutzt oder ein Motorrad-Taxi fährt mal eben so 50 Meter auf dem Bürgersteig, um vorwärts zu kommen. Nicht selten drängen sich 10 bis 15 Bodas auf engstem Raum und schlängeln sich durch die Autokarawane. Trotzdem habe ich noch nie einen Unfall gesehen, auch früher nicht, wenn ich in der Stadt unterwegs war. Es geht zwar laut und rüpelhaft zu auf den Straßen, aber trotzdem irgendwie ohne größere Karambolagen. Beulen an den Autos – wen kümmert das schon! Bei vielen Fahrzeugen hätte unser TÜV seine wahre Freude. Ein Matatu-Schaffner hängt halb aus der Tür und schreit sein Fahrziel in die Menge, vielleicht findet sich noch ein Passagier, das Taxi muss immer voll sein: Wer Berührungsängste hat, sollte nicht in einem öffentlichen Taxi fahren! Mein Freund kommt, das Warten hat ein Ende.

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